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ORTE JÜDISCHER GESCHICHTE UND GEGENWART IN HAMBURG

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Historische Orte, im besten Falle „authentische Orte“, stehen in der öffentlichen Wahrnehmung seit einiger Zeit an prominenter Stelle. Nicht zuletzt die seit kurzem intensiv geführte Diskussion um den „Erinnerungsort Lohseplatz“ und das wachsende Interesse an den „Stolpersteinen“ hier in Hamburg verweist auf die Bedeutung historischer Orte und die Notwendigkeit einer wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte Hamburgs.[1]

Die Gestaltung und Markierung historischer Orte im „Gedächtnis der Stadt“[2] stand neben der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte lange Zeit im Vordergrund. Gegenwärtig zeichnet sich eine neue Entwicklung ab: Im Grindelviertel haben sich nun die Verwaltung der Jüdischen Gemeinde, die jüdische Schule und ein jüdisches Café angesiedelt.

Durch die Kulturbehörde der Freien und Hansestadt initiert findet seit einigen Monaten eine regelmäßige Gesprächsrunde mit Experten, Forschern und Engagierten statt, die sich der jüdischen Geschichte und Gegenwart in Hamburg widmet. In diesem Zusammenhang wurde das Institut für die Geschichte der deutschen Juden (IGdJ) beauftragt eine Untersuchung zum topographischen Netzwerk von Institutionen, Museen und Privatinitiativen in Hamburg durchzuführen [3].

Die Untersuchung sollte einen Beitrag zur Vernetzung von Forschern und Initiativen leisten. Hierfür wurden Orte, Denkmäler und Institutionen dokumentiert, um so einen Ein- und Überblick über die vielfältigen Initiativen und das zahlreiche Engagement einzelner Hamburger Bürgerinnen und Bürger zu geben, die sich mit jüdischer Geschichte befassen. Auf der Grundlage dieser Zusammenstellung wurde nun ein Geoinformationssystem (GIS) entwickelt, das die Orte jüdischer Geschichte und Gegenwart auf einer Karte sichtbar macht und gleichzeitig die Möglichkeit bietet, sich über Forschungsschwerpunkte und Kontaktmöglichkeiten zu informieren.

Die Angaben zu den eingetragenen Baudenkmälern basieren auf einer Aufstellung, die 1995 von Ina Lorenz und Saskia Rohde erarbeitet und in Form des Faltplans „Jüdische Stätten in Hamburg“ in mehreren Auflagen veröffentlicht wurde (zuletzt 2006 als Beilage zum Lexikon „Das Jüdische Hamburg“[4]).

Dieses Geoinformationssystem wird vom Institut für die Geschichte der deutschen Juden zur Verfügung gestellt und aktualisiert. Es soll anregen, neue und alte Orte jüdischer Geschichte und Gegenwart aufzufinden [5].

Hamburg, im Oktober 2008



[1] Bisher waren jedoch „jüdische“ Orte stark verbunden mit den Deportationen der Hamburger Jüdinnen und Juden an die der „Platz der jüdischen Deportierten“ an der Moorweidenstraße erinnert. Zusätzlich erinnern über 2000 seit 2002 verlegte Stolpersteine an die Ermordeten. Erst kürzlich wurde von der Landeszentrale für politischen Bildung in Zusammenarbeit mit dem Koordinator der Hamburger Stolpersteine, Peter Hess, eine im Internet zugängliche Datenbank aller Stolpersteine in Hamburg präsentiert. Vgl. http://www.stolpersteine-hamburg.de/. Parallell dazu läuft unter der Projektleitung von Dr. Beate Meyer (IGdJ) und Dr. Rita Bake von der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg ein Forschungsprojekt zur biographischen Erforschung der Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft. Begleitend erscheint die Publikationsreihe „Biographische Spurensuche“, die alle recherchierbaren biographischen Daten zusammenträgt.

[2] Vgl. Peter Reichel: Das Gedächtnis der Stadt. Hamburg im Umgang mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit, Hamburg 1997.

[3] Institut für die Geschichte der deutschen Juden: Orte jüdischer Geschichte und Gegenwart in Hamburg. Untersuchung zum topographischen Netzwerk von Institutionen, Museen und Privatinitiativen zur jüdischen Geschichte in der Freien und Hansestadt Hamburg, bearb. v. Sylvia Necker, Hamburg 2008. Das Gutachten kann in der Bibliothek des IGdJ eingesehen werden. Die Studie wurde freundlicherweise durch die Alfred Töpfer Stiftung F.V.S. Hamburg finanziert.

[4] Das Jüdische Hamburg. Ein historisches Nachschlagewerk, Redaktion: Kirsten Heinsohn, hrsg. Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Göttingen 2006.

[5] In den vergangenen Jahren sind einige Stadtführer zu jüdischen Orten in Hamburg erschienen, u.a. „Jüdische Stätten in Hamburg“, ein Faltplan hrsg. v. d. Landeszentrale für politische Bildung Hamburg / Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Idee und Bearbeitetung von Ina Lorenz u. Saskia Rohde, 4. Aufl., Hamburg 2002; Koglin, Michael: Spaziergänge durch das jüdische Hamburg. Geschichte in Geschichten, Hamburg 1998; Kürschner-Pelkmann, Frank: Jüdisches Leben in Hamburg. Ein Stadtführer, Hamburg 1997; Wamser, Ursula / Weinke, Wilfried (Hrsg.): Eine verschwundene Welt: Jüdisches Leben am Grindel, Überarbeitete Neuauflage Hamburg 2006.